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Privatsammlung Nolde-Schenkung von Hermann Gerlinger: Volten eines Sammlers

Alle Nolde-Werke aus dem Versteigerungskonvolut der Sammlung Gerlinger wurden bei Ketterer zurückgezogen. Sie gehen an das Nolde Museum in Seebüll.
22.09.2022 - 15:48 Uhr Kommentieren
Zu den 36 Werken der Schenkung gehört das Gemälde „Philister“ von 1915, eines der frühen Hauptwerke Noldes. Quelle: Nolde Stiftung Seebüll
Emil Nolde

Zu den 36 Werken der Schenkung gehört das Gemälde „Philister“ von 1915, eines der frühen Hauptwerke Noldes.

(Foto: Nolde Stiftung Seebüll)

München Der Würzburger Sammler Hermann Gerlinger hat alle Werke Emil Noldes aus seiner bedeutenden Expressionisten-Sammlung und ein Porträt Schmidt-Rottluffs dem Nolde Museum in Seebüll als Schenkung überlassen. Wenig begeistert sein dürfte das Auktionshaus Ketterer.

Das Münchner Unternehmen hatte Anfang des Jahres die Versteigerung der kompletten Sammlung Gerlinger in mehreren Etappen angekündigt, nachdem der Leihvertrag des 92-Jährigen mit dem Buchheim Museum in Bernried aufgelöst wurde.

Zu den 36 Werken der Schenkung gehören das Gemälde „Philister“ von 1915, eines der frühen Hauptwerke Noldes, sowie frühe Aquarelle, relativ seltene Grafiken und Briefe des norddeutschen Künstlers. Allein die „Philister“ bezifferte Robert Ketterer auf Anfrage des Handelsblatts auf einen Marktwert von 2 Millionen Euro.

Mit der ersten Auktions-Tranche im Juni 2022 setzte Ketterer brutto 6 Millionen Euro um. Bereits damals wurde kein Werk von Nolde angeboten. Wie das Handelsblatt von Christian Ring, Direktor des Nolde Museums erfuhr, liefen zu dieser Zeit bereits auf Initiative des Museums ernsthafte Übernahmegespräche zwischen dem Sammler und der Nolde Stiftung. Schon kurz nach Bekanntwerden der Sammlungsveräußerung war der Museumsdirektor auf den Sammler zugegangen. Das Konvolut wird hier als eine der bedeutendsten Schenkungen gesehen, die das Haus je erhalten hat.

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    An der Teil-Auktion mit kunsthistorisch bemerkenswerten Werken von Erich Heckel und Hermann Max Pechstein aus der Frühzeit des 1910 gegründeten Künstlergruppe „Die Brücke“ hatte sich kein Museum beteiligt. Nach Informationen dieser Zeitung hatte keine Institution bei der Ernst-von-Siemens Kunststiftung, die bereits in anderen Fällen kurzfristig hohe Beträge zur Verfügung stellte, finanzielle Mittel beantragt.

    Aus der  Auktionsmasse zurückgezogen und als Schenkung nun im Nolde Museum Seebüll: das Aquarell „Segelboote am Rüttebüller Tief“ von 1909 (Ausschnitt). Quelle: Nolde Stiftung Seebüll
    Emil Nolde

    Aus der Auktionsmasse zurückgezogen und als Schenkung nun im Nolde Museum Seebüll: das Aquarell „Segelboote am Rüttebüller Tief“ von 1909 (Ausschnitt).

    (Foto: Nolde Stiftung Seebüll)

    Gerlinger hat sich mit seiner Volte doch noch einen Ehrenplatz in der deutschen Museumslandschaft gesichert. Seine von Wissenschaftlern hoch geschätzte Sammlung mit Werken von Ernst-Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und eben auch Emil Nolde hatte bereits im Museum Gottorf in Schleswig, im Museum Moritzburg in Halle und zuletzt im bayerischen Buchheim Museum als geplante Dauerleihgabe Station gemacht. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über den musealen Umgang mit der einzigartigen Kollektion wurden die Verträge seitens des Sammlers immer wieder aufgekündigt.

    Gerlingers Lebenswerk, das durch die Auktion zerstreut wird, wird nun zumindest partiell auf musealer Ebene fortgesetzt. Seine Entscheidung für Seebüll nennt er ein „Zeichen meiner großen Dankbarkeit für das Vertrauen, das der Nolde-Freund Karl Schmidt-Rottluff in mich gesetzt hat“.

    Hermann Gerlinger: „Ich bin überzeugt, er wäre mit meiner Entscheidung sehr einverstanden.“ Robert Ketterer betrachtet die Reduzierung seines Auktionsvolumens um 36 Werke mit Fassung. „Die Schenkung macht einmal mehr deutlich: Hermann Gerlinger ist ein wichtiger Förderer der deutschen Museen“, so der Auktionator.

    Die Sammlung bleibt auch so ein Goldregen. Für die verbliebenen rund 900 Objekte sind zweifellos immer noch Gesamterlöse im zweistelligen Millionenberiech zu erwarten. Ein Krach mit Gerlinger könnte dem Image schaden und den Verlust noch vergrößern.

    Mehr: Privatsammler Hermann Gerlinger: Ein einziger Blick genügt, um Qualität zu erkennen

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