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Wladimir Putin

Der Eroberungskrieg des russischen Präsidenten ist zum Rückzugsgefecht geworden.

(Foto: IMAGO/ITAR-TASS)

EU-Kolumne Putin verliert an allen Fronten – Zeit für Triumphgeheul?

Der Krieg in der Ukraine kennt einen klaren Verlierer: den Aggressor Wladimir Putin. Für die EU ein Grund für Zuversicht, mehr aber auch nicht.
20.09.2022 - 10:17 Uhr 12 Kommentare

Es liegt wohl am Herbstbeginn, dass Europa einen Stimmungsumschwung erlebt. Fallende Temperaturen künden von entbehrungsreichen Zeiten, horrenden Heizkosten und Firmenpleiten. „Der kommende Winter könnte der schlimmste der Geschichte werden“, prophezeite EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni neulich. Schwarzseher haben Konjunktur. 

Dabei ist die Stimmung deutlich schlechter als die Lage. Der Krieg in der Ukraine kennt inzwischen einen klaren Verlierer: den Aggressor Wladimir Putin. Ende Februar, als die russischen Panzer auf Kiew zurollten, hatten nur wenige diese Prognose zu stellen gewagt. Die Russen erschienen über-, die Europäer ohnmächtig

Doch das Blatt hat sich gewendet. Putin, bloßgestellt und isoliert, verliert an allen Fronten, der militärischen, politischen und wirtschaftlichen.

Zugegeben: Vor allem die Tapferkeit der ukrainischen Verteidiger und die multimilliardenschweren Waffenlieferungen der USA haben die Kriegsgunst gewendet. Doch auch Europa trägt einen entscheidenden Anteil daran, dass Putins Eroberungskrieg zum Rückzugsgefecht geworden ist.

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    Das Sanktionsregime zeigt Wirkung. Die Behauptung, dass die Europäer wirtschaftlich stärker als die Russen litten, zeugt von ökonomischer Ahnungslosigkeit oder, siehe Sarah Wagenknecht, propagandistischer Absicht. Der kalte Entzug vom russischen Gas ist teuer und schmerzhaft, aber temporär. Zum Existenzrisiko für Europa wird er nur dann, wenn die Europäer in Energienationalismus verfallen. 


    Europa-Kolumne: Die EU verliert Rückhalt der deutschen Wirtschaft
    Europa-Kolumne

    Jede Woche analysiert Moritz Koch, Leiter des Handelsblatt-Büros in Brüssel, Trends und Konflikte, Regulierungsvorhaben und Strategiekonzepte aus dem Innenleben der EU. Denn wer sich für Wirtschaft interessiert, muss wissen, was in Brüssel läuft. Sie erreichen ihn unter: [email protected]

    Russland dagegen kann seinen ökonomischen Niedergang selbst im Idealfall nur verlangsamen, stoppen kann es ihn nicht. Die Energiepartnerschaft mit der EU ist zerstört, dauerhaft. Und ehe sie durch eine Erdgasallianz mit China ersetzt werden kann, werden Jahre vergehen.

    >> Lesen Sie dazu: Wie Russland versucht, immer mehr Gas nach China zu bringen

    Der starke Rubel, für Sanktionskritiker das Beweismittel für Russlands ökonomische Widerstandskraft, resultiert aus Schwäche: Die Russen nehmen an den Rohstoffmärkten Geld ein, das sie nicht ausgeben können. Das westliche Tech-Embargo verhindert dringend benötigte Importe – und damit die Nachrüstung der russischen Armee

    Politisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Mythos vom einsamen Westen ist genau das: ein Mythos. Ja, außerhalb Europas und Nordamerikas haben sich nur wenige Länder den Russlandsanktionen angeschlossen. Doch es ist abwegig, daraus eine heimliche Unterstützung für Putin zu konstruieren.

    Als die Vereinten Nationen vor ein paar Tagen darüber abstimmten, den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski eine Videoansprache halten zu lassen, schlug sich selbst das auf Neutralität bedachte Indien auf die Seite der Ukraine. 

    Putin dagegen musste sich von seinem wichtigsten internationalen Partner, Chinas Staatschef Xi Jinping, schulmeistern lassen und vor laufenden Kameras kleinlaut zu Protokoll geben, dass er die chinesischen Bedenken hinsichtlich der Lage in der Ukraine verstehe. Diese Schmach wird lange nachwirken.

    Lesen Sie dazu: Neue Achse Russland–China – Die künftige Weltordnung hängt jetzt an drei Fragen

    Die ukrainische Gegenoffensive setzt den russischen Truppen unterdessen weiter zu. Bei ihrer Flucht aus den Gebieten um Charkiw ließen die Invasoren offenbar Dutzende Kampf- und mehr als 100 Schützenpanzer zurück, die jetzt in die ukrainischen Streitkräfte integriert werden können. Der nächste Frontdurchbruch könnte im Süden gelingen.

    Was folgt daraus? Grund für Zuversicht, aber nicht für Triumphgeheul. Die Lage bleibt gefährlich, das Eskalationsrisiko hoch. Bisher ist es den Europäern gelungen, die Ukraine zu stärken, ohne dass der Krieg außer Kontrolle geraten wäre. Die westliche Strategie, harte Wirtschaftsstrafen gegen Moskau verbunden mit Dialogbereitschaft und einer schrittweisen Ausweitung der Waffenlieferungen an Kiew, geht auf. Gefragt ist jetzt Besonnenheit, kein Draufgängertum, aber erst recht kein Defätismus.

    Mehr: Verhandeln oder eskalieren? Wladimir Putin nach militärischen Rückschlägen unter Druck

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    12 Kommentare zu "EU-Kolumne: Putin verliert an allen Fronten – Zeit für Triumphgeheul?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @Herr Josef Müller
      Ich kenne keine Putin-Fans hier - ein Fan ist eher emotional engagiert. Die meisten Kommentatoren hier sind sehr sachlich und kritisieren die unendliche Dummheit unserer Regierenden vor allem der Grünen insbesondere Bärbock und Habeck.
      Persönlich kritisiere ich die extrem ungeschickte Diplomatie der Nato, die der EU massiv geschadet hat - zum Vorteil der USA.
      Wenn Felsch immer unqualifiziertere Kommentare abgibt, so darf er das gerne und man darf ihn auch ignorieren.

    • Ja, je schlechter es für due russ. Truppen in der UA läuft, desto lauter werden die Kreml-Tröten. Deutlich spürbar seit der Charkiw-Offensive.

    • Arme Putin-Fans unter den Kommentatoren.
      Man merkt ihnen den Frust darüber an, dass die Dinge nicht so laufen, wie sie sich das gewünscht hätten.

    • Eine kurze Recherche zu Moritz Koch, Handelsblat zeigt:

      Studium an derJohns Hopkins University , arbeitete dann Denkfabrik Center for Strategic and International Studies in Washington (bekannt für Lobbyarbeit für die US-Waffenindustrie, Quelle Wikipedia)

      Wen wundert da die seltsame Kolumne von Herrn Koch ganz im Sinne der US amerikanischen Interessen.

    • Herr Köllner, Sie haben einen klaren unverfälschten Blick!
      Cui bono?
      USA verkaufen teuer Energie und Waffen. Die EU kauft teuer Energie und Waffen.
      Trump hat Deutschland als Feind bezeichnet:
      "Was es für uns heißt, Donald Trumps Feind zu sein
      Deutschland ist von einem der engsten Verbündeten zum Feindbild geworden. Die Obsession des US-Präsidenten ist so groß, dass er fast die Nato gesprengt hätte"
      https://www.spiegel.de 13.07.2018, 18.00 Uhr

    • Herr Köllner,
      zu Ihrer brillanten Logik:
      "...Gewünscht ist eine geschwächte EU, allen voran Deutschland, und dazu gehört eben auch der Ausfall bezahlbarer Energie...."
      hätte ich mal ne Frage:
      Die USA haben etwas dagegen, dass sich RU die UA einverleibt (ich vermute, wir haben hier einen Konsens). Darüber hinaus befürchten die USA einen früher oder später losbrechenden, militärischen Konflikt mit China.
      Warum sollten vor diesem Hintergrund die USA ein Interesse haben, dass die EU schwächelt?
      Eigentlich sollte man doch erwarten, dass die USA eher der EU in den Hintern treten, endlich mal Interessen auf dem eigenen Kontinent selbst durchsetzen zu können, statt immer selbst die Kohlen aus dem Feuer holen zu müssen. Und inzwischen darf man wohl die Frage stellen: haben die USA genügend Ressourcen, zwei Fronten (RU und China) gleichermaßen "bedienen" zu können?
      Selbst, wenn sie es wäre.: wäre es nicht ratsam, hier auf Nummer sicher zu gehen und eine EU zu haben, auf die man sich im Ernstfall verlassen kann?
      Wie erklären Sie denn diesen Widerspruch?

    • Herr Felsch, ich muss Ihnen ausnahmsweise mal Recht geben.
      " Jetzt einen Kurswechsel vorzunehmen, wäre politischer Selbstmord, alle bisherigen, in Kauf genommenen Kosten wären völlig umsonst gewesen".

      Ich gebe Ihnen aber nur im ersten Halbsatz recht. Und genau deshalb werden wir keinen Richtungswechsel erleben, bis die deutsche Wirtschaft mausetot da liegt, um in Ihrer Metapher zu bleiben. Hauptsache unsere Politiker müssen keinen Fehler zugeben.

      Die Kosten sind sowieso umsonst, weil die gesamte Aktion uns selbst nichts bringt außer moralischer Selbsterhöhung unserer Politiker. Diese Selbsterhöhung darf das dumme Volk teuer bezahlen, sogar mit dem Verlust von kohlesäurehaltigem Bier (das dann nicht mehr schmeckt), wie gestern in einem anderen Artikel hier zu lesen war.

      Die Russen lachen sich tot. Die Inder übrigens auch, die das Öl aus Russland, dass für Schwedt bestimmt war zur Raffinerie von Benzin, sowie Kerosin für BER; die dieses Öl sehr gerne kaufen, raffinieren und uns dann teuer verkaufen, einschließlich nicht CO2 neutralem Transport über die Meere. Die Chinesen lachen, die Nigerianer, die US-Amerikaner sowieso, die Algerier, und und und.

    • @Koch

      "Die Russen nehmen an den Rohstoffmärkten Geld ein, das sie nicht ausgeben können. Das westliche Tech-Embargo verhindert dringend benötigte Importe – und damit die Nachrüstung der russischen Armee."
      Sie können in der ganzen Welt einkaufen nur eben nicht in USA und Europa, da blieben z.B. China, Indien und auch Afrika als gerne gesehene Handelspartner.....
      .... immer halt die einseitige Darstellung - das wird nicht besser, sie möchten eben ihre Klientel befriedigen -  (Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.)

    • Zu wünschen wäre es dem Aggressor, soll einpacken und zurück treten, alt genug ist er ja. Bye the way, kann er seine 5. Kolonne Moskaus gleich mitnehmen, sie kritisieren hier herum, mit welchem Recht - sollen sie doch in ihr gelobtes Land gehen.

    • Russland setzt in der Ukraine jetzt auch iranische Kamikaze-Drohnen ein. Militär-Experte Markus Reisner spricht von einer "gefährlichen Entwicklung"

      "Plötzlich konnten die Russen auch Stellungen weit hinter der Front, deutlich außerhalb der Reichweite ihrer eigenen Artillerie, mit großer Präzision attackieren. Mehrere Geschütze, darunter auch eine US-amerikanische M777 Haubitze, und Mannschaftstransporter wurden so punktgenau zerstört.
      Mittlerweile ist klar, wie den Kreml-Truppen diese Schläge gelingen konnten. Untersuchungen der Trümmer zeigten eine neuartige russische Drohne mit dem Namen "Geranium-2" (...)" Microsoft Start von heute

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